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UNICEF-Studie "Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010" Drucken E-Mail
Montag, 18. Januar 2010 um 15:18 Uhr

Am 14. Januar 2010 wurde in Berlin durch Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Köhler und UNICEF die neue UNICEF-Studie „Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010: Kinder stärken für eine ungewisse Zukunft“ vorgestellt. Untersucht wurde, inwieweit ein Land eine gute Lebensumwelt für Kinder und Jugendliche schafft. Mit Platz 8 belegt Deutschland einen der Plätze im oberen Mittelfeld von insgesamt 21 untersuchten Industrienationen. Platz 1 sicherten sich erneut die Niederlande. Den letzten Platz belegen die USA.

Die neue Studie knüpft an die UNICEF-Studie „Child Poverty in Perspective: An Overview of Child Well-being in Rich Countries“ aus dem Jahr 2007 an, die erstmals die Lage von Kindern in 21 Industrienationen anhand von 6 Dimensionen umfassend verglichen hat: materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen, Verhaltensrisiken sowie subjektives Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen.


Ziel der jetzt präsentierten Studie „ist es zu prüfen, ob sich das Wohlergehen von Kindern verbessert hat und welche Maßnahmen am besten geeignet sind, die Rechte der Kinder zu fördern.“
Die Studie zeigt für Deutschland Verbesserungen, aber auch erhebliche Probleme auf. „Es gibt keinen Anlass, es sich auf einem Mittelplatz bequem zu machen. Denn dahinter verbergen sich deutliche Defizite“, erklärte Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Besonders im Hinblick auf die materielle Situation von Kindern, die bei Alleinerziehenden aufwachsen und dadurch ein vielfach höheres Armutsrisiko haben als die Kinder von Paarfamilien, verweisen die Ergebnisse der Studie auf deutlichen Handlungsbedarf.

Hier die Ergebnisse der 6 Dimensionen kurz zusammengefasst:

1. Dimension „Materielles Wohlbefinden“: Anhaltend schwierig ist die materielle Situation vieler Kinder in Deutschland. Insbesondere Kinder, die bei Alleinerziehenden aufwachsen, sind überproportional von Armut betroffen. Von rund 2 Millionen Kindern und Jugendlichen, die mit nur einem Elternteil aufwachsen, müssen 34 Prozent oder fast 700.000 Kinder mit weniger als 60 Prozent des Äquivalenzeinkommens auskommen. Rund 350.000 verfügen sogar nur über weniger als 50 Prozent. Der Armutsdruck für Alleinerziehende ist seit zwölf Jahren unverändert hoch. Selbst wenn sie es schaffen, berufstätig zu sein, ist es ihnen kaum möglich, der Armut zu entkommen.


2. Dimension „Gesundheit und Sicherheit“: Deutschland belegt erneut Platz elf. Defizite gibt es weiter hinsichtlich der Säuglingssterblichkeit, des Geburtsgewichts der Kinder und der Impfrate.


3. Dimension „Bildung und Ausbildung“: In diesem Bereich sehen die Autoren trotz Fortschritten auch Besorgnis erregende Trends. So gibt es messbare Leistungsverbesserungen beim Lesen, in Mathematik und den Naturwissenschaften. Deutschland liegt jetzt auf Platz sechs auf einem Niveau mit Schweden. Aber viele Kinder und Jugendliche blicken sehr düster in ihre berufliche Zukunft: So erwarten knapp 25 Prozent, dass sie nach Beendigung der Schule und der Ausbildung nur Arbeiten mit niedriger Qualifikation ausüben werden. In den USA, die im Gesamtvergleich ganz hinten liegen, haben nur 9 Prozent eine so pessimistische Erwartung hinsichtlich ihrer Zukunftschancen. Deutschland liegt hier auf dem letzten Platz aller untersuchten Industrieländer.


4. Dimension „Beziehungen zur Familie und zu Gleichaltrigen“: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz neun im Mittelfeld. Allerdings wird der Alltag der Familien in Deutschland im Unterschied zu vielen anderen Ländern wie den USA oder Frankreich stark von einer „Verlängerung“ der Schule in die Familie bestimmt: Hausaufgaben werden außerhalb der Schulzeit zu Hause erledigt, Eltern oft zu „zwangsverpflichteten Hilfslehrern“ – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Rollen und die Kommunikation in der Familie.


5. Dimension „Verhaltensrisiken“: Bei den Verhaltensrisiken junger Menschen schneidet Deutschland auf Platz sieben relativ gut ab. So sind direkte körperliche Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen im internationalen Vergleich relativ selten. Allerdings berichten überdurchschnittlich viele Jungen und Mädchen, dass sie von anderen drangsaliert oder gemobbt wurden – wie in der ersten UNICEF-Studie ist das etwa jeder dritte junge Mensch. Rund 12 Prozent der Jugendlichen im Alter von 13 und 15 Jahren in Deutschland leiden an Übergewicht und Bewegungsmangel – in den Niederlanden sind dies nur 8 Prozent. Obwohl sich der Anteil halbiert hat, liegt der Prozentsatz der rauchenden Kinder immer noch deutlich höher als etwa in Schweden, Norwegen und den USA. Jedes achte Kind gab an, bereits mehrmals betrunken gewesen zu sein.


6. Dimension „Subjektives Wohlbefinden“: Hinsichtlich der eigenen Einschätzung von Kindern und Jugendlichen zu ihrer Lebenssituation befindet sich Deutschland insgesamt auf Rang neun. Hinter diesem Mittelplatz verbergen sich allerdings einige gravierende Probleme: 6 Prozent der Heranwachsenden erleben sich als Außenseiter. 11 Prozent der befragten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland geben an, sich „unbehaglich und fehl am Platz“ zu fühlen. Etwa jeder dritte 15-Jährige sagt, dass er sich „alleine“ fühlt. Bei der Lebenszufriedenheit insgesamt liegt Deutschland dann sogar auf dem viertletzten Platz von 21 Ländern. Erfreulich ist dagegen: Überdurchschnittlich hoch – bei fast 36 Prozent – liegt der Anteil der Kinder in Deutschland, die die Schule nach eigenen Angaben „sehr gerne“ mögen.
(Quelle: http://liga-kind.de/news/newsletter.php)


Die vollständige Studie können Sie unter folgendem Link als pdf-Dokument herunterladen.
Bertram, Hans u. Steffen Kohl, Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010: Kinder stärken für
eine ungewisse Zukunft. Deutsches Komitee für UNICEF, Köln 2010                                                                        

http://www.unicef.de/fileadmin/content_media/presse/Betram2010/Info_Bertram_09web.pdf

Quellen:

UNICEF Presse (14.01.10): UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Industrieländern 2010 - „Mittelplatz für Deutschland.
Internationaler Vergleich zeigt Fortschritte für Kinder in Deutschland, aber auch ungelöste Probleme und pessimistische Einstellungen“
http://www.unicef.de/deutschland2010.html


Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (14.01.10): „Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Köhler stellt neue UNICEF-Studie "Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010" vor“
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/familie,did=133570.html


Newsletter der Deutschen Liga für das Kind (18.01.2010): „UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Industrieländern 2010 vorgestellt“
http://liga-kind.de/news/newsletter.php

 
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