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„Besuch im Zoo“- Durchführung der 1.Stufe bei DELFIN 4 Drucken E-Mail
Mittwoch, 27. Mai 2009 um 11:19 Uhr

Der Sprachtest DELFIN 4, entwickelt unter Leitung von Prof. Lilian Fried (Professorin der Frühen Kindheit an der Uni Dortmund), vollzieht sich in zwei Stufen.

Die erste Stufe, das Grobscreening, dient dazu „grob und schnell zwischen den Kindern zu trennen, deren Sprachentwicklung gut zu verlaufen scheint, und denjenigen, bei denen dies möglicher Weise nicht der Fall ist.“, so Prof. Fried. Für Kinder, die den ersten Test ohne Schwierigkeiten meistern, ist das gesamte Verfahren damit beendet. Anders dagegen Kinder, bei denen Sprachauffälligkeiten mit Hilfe der ersten Testphase festgestellt wurden. Diese werden in einer zweiten Stufe – dem so genannten Feinscreening –  nochmals  hinsichtlich ihrer sprachlichen Defizite analysiert.

Wie wird der Sprachtest nun genau durchgeführt?

Die erste Stufe des Testverfahrens erfolgt mit Hilfe einer fest vorgegebenen suggerierten Spielsituation. Jeweils vier Kinder sitzen sich an einem Tisch gegenüber, in ihrer Mitte ein Spielbrett. Die Begleiterin (im Normalfall die Erzieherin) sitzt zwischen ihnen, eine Protokollantin (meistens die Lehrerin) sitzt ihr gegenüber, so dass sie Blickkontakt mit der Begleiterin hält und die Situation überblicken kann. Während die Kinder einen „Besuch im Zoo“ durchspielen, sollen sie Aufgaben bearbeiten, die angeblich maßgebenden Aufschluss über ihre sprachlichen Fähigkeiten bieten. Die Testdauer wird für ca. 25 Minuten angesetzt.

Die Aufgaben unterteilen sich nochmals in vier Bereiche:

      1. Handlungsanweisungen ausführen (HA)
      2. Kunstwörter nachsprechen (KN)
      3. Bild beschreiben (BB)
      4. Sätze nachsprechen (SN)

Der 1. Aufgabenbereich beinhaltet die Ausführung von Anweisungen (fiktives Bsp: „Stelle deine Spielfigur auf das Feld mit dem Löwen!“) und zielt auf die kognitives Fähigkeiten des Kindes, „komplexe Handlungsweisen zu verstehen und auszuführen“ (Infoschrift)

Im 2. Aufgabenbereich werden Kunstwörter nachgesprochen, untersucht wird hierbei die „Kapazität des phonologischen Arbeitsgedächtnis“. Das Wiedergeben unbekannter Wörter ohne Referenz auf reale Gegenstände der Situation (Bsp: Ruf doch einmal den Namen der Giraffe: Halemka!) erfordert bei den Kindern  volle Konzentration auf formale Aspekte der Sprache. Prof. Lilian Fried weist dabei darauf hin, dass es sich nicht um ein Abfragen von „artikulatorischen Fähigkeiten“ handelt.

Aufgabenbereich 3 beinhaltet das selbstständige Erzählen einer Geschichte. Ausgangspunkt hierfür ist ein Bild, dass das Kind beschreibt und darauf aufbauend beginnt, eine kleine Geschichte zu erzählen. Entsprechend ihres Alters (4 Jahre) sollten die Kinder in der Lage sein, sich vom deskriptiven Erzählen zu lösen und Wörter und Sätze abstrakt zu verwenden.

Im 4. Aufgabenbereich werden die Vierjährigen dazu aufgefordert, 4 Sätze nachzusprechen. Bei dieser Aufgabe ist ihr grammatisches Verständnis gefragt. Zwei von den vier Sätzen sind sogar sinnfrei (Bsp. „Der dumme Stuhl klettert aus der Woche.“), so dass sich die Kinder nicht an Sinnzusammenhängen orientieren können und auf ihr grammatisches Wissen zurückgreifen müssen.

Insgesamt bekommt jedes korrekt ausgesprochene Wort des Kindes einen Punkt, falsche oder unvollständige Worte werden ebenso mit 0 Punkten bewertet wie nicht-deutsche Äußerungen. Bei den Ausführungen der Handlungsweisen kann je nach Komplexität der Sätze bis zu 3 Punkten vergeben werden. Begleiterin und Protokollantin sollten sich schon im Vorfeld mit dem Testverfahren vertraut machen, so dass die Aufgaben im Test klar und deutlich formuliert werden können. Auf Antworten der Kinder sollte mit neutralen Kommentaren reagiert werden („ja“, Kopfnicken etc.).
Schnell wird jedoch auch den Kindern klar, dass das Ganze mehr ist, als nur ein Spiel. Wie bei einer wichtigen Prüfung dürfen die Vierjährigen nur antworten, wenn sie an der Reihe sind, gegenseitiges Helfen ist nicht erwünscht bzw. wird nicht gewertet. Auch darf jede Aufgabe von der testenden Begleiterin nur einmal (!!) ausgesprochen werden, Ausnahmen sind nur im Falle von akustischen Verständnisproblemen gestattet.
Das Testverfahren vergisst leider nur allzu leicht, dass die Prüflinge Kinder sind, deren Freude an sprachlicher Kommunikation mit ihrer Umwelt doch eigentlich gefördert werden sollte. Stattdessen bleiben spontane Äußerungen, die jede Kommunikation grundlegend mitbestimmen im Testverfahren leider unberücksichtigt.



„Besuch im Pfiffikushaus“ – Durchführung der 2. Stufe bei DELFIN4

Wer bei diem ersten Verfahren sprachliche Defizite aufweist oder aus verschiedenen Gründen einfach gar nichts sagt, hat die Chance, beim zweiten Mal die Prüfer zu überzeugen. In der zweiten Stufe werden auch die Kinder geprüft, die bis dahin keine Kindertagesstätte besuchten.
Die zweite Stufe des DELFIN4- Test verläuft ähnlich wie die erste Stufe. Im Gegensatz zur ersten Stufe ist dieser Test jedoch ein Einzeltest. Bei einem „Besuch im Pfiffikus-Haus“ muss das Kind in den verschiedenen Zimmern des Hauses Aufgaben „durchspielen“. Neben dem Nachsprechen von Kunstwörtern und Sätzen und dem Erzählen einer Geschichte, wird getestet,  in wie weit das Kind in der Lage ist, Pluralwörter zu bilden oder Worte anhand von Bildern selbstständig reproduzieren kann. Der Test dauert in etwa 40 Minuten.
Danach folgt eine Auswertung, deren Ergebnisse darüber entscheiden, wie eine entsprechende Sprachbehandlung aussehen sollte.

- Weitere Informationen zur Stufe 1 :
www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Konferenzen14LP/2007/Sprachstand/Fried

www2.solingen.de/Ebuero/.../Sprachförderung_1.pdf

www.lvr.de/app/resources/multiplikatorenstufe1januar2008.pdf

www.schulministerium.nrw.de/BP/.../Druckverlage_Fachinformation.pdf

www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulsystem/Schulformen/Grundschule/Sprachstand/...


- Informationen zur Stufe 2:
www.lvr.de/app/resources/multiplikatorenstufe2januar2008.pdf

 
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