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„Chance“ oder „Förderfalle“? Reaktionen auf die Einführung eines Sprachtests in NRW Drucken E-Mail
Sonntag, 14. Juni 2009 um 13:50 Uhr


Mit der Einführung des Sprachtests DELFIN4 in Nordrheinwestfalen im Sommer 2007 entstand eine hitzige Debatte um das Thema Sprachförderung. Die Reaktionen hätten unterschiedlicher nicht sein können: Während das Schulministerium NRWs nach wie vor von dem Erfolg des Tests überzeugt ist, wurden kritische Stimmen seitens Sprachexperten und Eltern immer lauter.

Die Ergebnisse des ersten Durchganges von DELFIN4 brachten eine Überraschung mit sich: jedes dritte Kind in NRW musste – anders als erwartet – zur 2.Teststufe antreten. Bestätigt durch dieses Resultat äußerten kritische Stimmen erneut ihren Zweifel am Verfahren von DELFIN4. Schulministerin Barbara Sommer wies dies jedoch entschieden zurück und sprach stattdessen von der „Chance“, die der Test biete um das Erlernen der deutschen Sprache zu prüfen.

( http://www.wdr.de/themen/wissen/bildung/schule/delfin4/070405.jhtml?rubrikenstyle=wissen&rubrikenstyle=wissen&rubrikenstyle=wissen )

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) wirft dem Test dagegen vor, nicht zwischen Sprachauffälligkeiten natürlicher Art und Sprachauffälligkeiten mit Krankheitswert unterscheiden zu können.  "Die Sprachstandserhebung in NRW wiegt die Eltern der Vierjährigen in falscher Sicherheit", so dbl-Präsidentin Dr. Monika Rausch. Denn die möglichen Förderungsmaßnahmen nach dem Test ersetzen keine therapeutischen Hilfen, die in Einzelfällen nötig wären. Somit wird DELFIN4 zu einer Art „Förderfalle“. „Am sinnvollsten wäre es, den 34.000 als sprachauffällig bewerteten Kinder eine Sprachdiagnostik anzubieten. Damit wären alle auf der sicheren Seite", so die dbl-Präsidentin.

( http://www.dbl-ev.de/index.php?id=1507&tx_ttnews[tt_news]=528&cHash=e5154d0f77 )

Der Verband Bildung und Erziehung Landesverband NRW weist insbesondere darauf hin, dass es auch in diesem Jahr wieder zu massiven Unterrichtsausfall an den Grundschulen NRWs kommen wird. „Davon betroffen sind insbesondere die zusätzlichen Stunden für individuelle Förderung.“ Denn die GrundschullehrerInnen sind maßgeblich an der Durchführung des Tests beteiligt.

( http://www.bildung.koeln.de/schule/artikel/artikel_04386.html)
( http://www.vbe-nrw.de/content_id/1533.html )

ErzieherInnen und LehrerInnen bemängeln vor allem die Durchführung von DELFIN4. Für manche Kinder ist die Testsituation befremdend, so dass sie sich oftmals anders verhalten, als in ihrer Gruppe. Für andere ist das Spiel einfach nur „langweilig und uninteressant“, was ebenfalls zur Verfälschung der Ergebnisse führt. Weiterhin bedauern die ErzieherInnen, dass die normierten Aufforderungssätze nicht anders formuliert werden dürfen und auch sonst keine Hilfestellung gegeben werden darf. Hinzu kommt eine viel zu knappe Berechnung der Testdauer. Statt den veranschlagten 20min benötigen die Multiplikatoren fast doppelt so lange.

 ( http://www.wdr.de/themen/wissen/bildung/schule/delfin4/index.jhtml?rubrikenstyle=wissen )

Auch die Meinungen der Eltern gehen bei dem Thema Sprachstandstest auseinander. Viele fragen sich, ob nicht die Einschätzung der ErzieherInnen, die ihr Kind tagtäglich über mehrere Jahre hinweg betreuen, nicht weitaus aufschlussreicher und sinnvoller ist, als der Test. Vor allem nach Einführung des Tests 2007 nutzen viele Eltern die Gelegenheit, um sich in Elternforen im Internet  „Luft zu machen“.  Sie beklagten sich unter anderem, dass ihre Kinder aufgrund von Verweigerung und nicht wegen unzureichender Sprachkenntnis die Stufe 2 absolvieren mussten. Andere dagegen sind dankbar für eine Unterstützung, wie die, die DELFIN4 bietet.

 ( http://www.wdr.de/themen/wissen/bildung/schule/delfin4/070424/index.jhtml )

( http://www.urbia.de/archiv/forum/th-1953761/Sprachstandserhebung-Delfin-4.html  )

Wie Experten und Eltern in Sachsen- Anhalt reagieren, bleibt abzuwarten. Denn ab  diesem Jahr wird auch hier zum ersten Mal der Test durchgeführt.

 
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