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Frage-Antwort-Papier des Landes Drucken E-Mail
Mittwoch, 03. Juni 2009 um 00:00 Uhr

 Sprachstandsfeststellung – Der Bedarf

Wozu dient die Sprachstandsfeststellung?
Die frühe Sprachförderung ist ein Schwerpunkt der Bildungsarbeit in unseren Kindertageseinrichtungen. Es gibt jedoch Kinder, die mehr Unterstützung brauchen als andere. Um ihnen zu helfen,

soll ab dem Kindergartenjahr 2009/2010 die Sprachkompetenz aller Kinder bereits im vorletzten Jahr vor der Einschulung – somit bei 4-jährigen Kindern - untersucht werden. Wenn dieser Test zeigt, dass das jeweilige Kind eine über das übliche Maß hinausgehende pädagogische Unterstützung bei der Entwicklung seiner Sprachkompetenz bzw. bei der Aneignung der deutschen Sprache benötigt, wird es anschließend ein Jahr lang in der Kindertageseinrichtung mit besonderer Aufmerksamkeit gefördert.

Weshalb ist die Sprachkompetenz wichtig?
Sprache ist ein zentrales Medium für die Aufnahme, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen. Sie ist eine wesentliche Grundlage für soziale Interaktion und für die Gestaltung der individuellen Umwelt. Eine gut entwickelte Sprachkompetenz ist damit der Schlüssel für erfolgreiche Lern- und Bildungsprozesse. Dabei kommt der Beherrschung der deutschen Sprache eine zentrale Bedeutung zu. Fehlende Kenntnisse und Beherrschung der deutschen Sprache verhindern, dass Kinder sich so entwickeln, wie es ihren eigentlichen intellektuellen Fähigkeiten und Begabungen entspricht.


Für welche Zielgruppe ist die Entwicklung der deutschen Sprachkompetenz erforderlich?
Zielgruppe der Sprachförderung sind Kinder bei denen mit Hilfe von des Screenings Delfin 4 Stufe 1 und ggf. Stufe 2 ein zusätzlichen Sprachförderbedarf festgestellt wurde.
Das sind:
- Kinder mit Deutsch als Erstsprache, die nicht altersgerecht entwickelte Fähigkeiten in Deutsch aufweisen und
- Kinder mit nichtdeutscher Erstsprache, die nur über unzureichende Deutschkenntnisse verfügen.


Können auch muttersprachliche Fähigkeiten von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache erfasst werden?
Mit den beiden Diagnoseverfahren von Delfin 4 kann man nicht erfassen, wie es um die muttersprachlichen Fähigkeiten von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache steht. Dazu bedarf es einer spezifischen Diagnostik. Zweck von Delfin 4 ist lediglich festzustellen, ob und wieweit eine zusätzliche Sprachförderung in Deutsch erforderlich ist. Dabei wird kein Unterschied zwischen Kindern mit deutscher und nichtdeutscher Muttersprache gemacht, weil vorausgesetzt wird, dass auch Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache hinreichende Deutschkenntnisse benötigen, damit sie zum Schulbeginn die gleichen Bildungschancen haben wie Kinder mit deutscher Muttersprache.


Was soll mit der Sprachstandsfeststellung erfasst werden?
Mit der Sprachstandsfeststellung soll eine Überprüfung der Deutschkenntnisse (Unterrichtssprache) erfolgen. Sie umfasst folgende Hauptbereiche (zentrale Bereiche) der Sprache:
- Wortschatz
- Morphosyntax 
- Phonembewusstheit
- Erzählfähigkeit.
Diese Bereiche bilden den Kern der Sprachkompetenz und den bildungsrelevanten Teil der Sprache („akademische Sprache“).
Neben den o.g. Hauptbereichen der Sprache wird die Artikulationsfähigkeit getestet, die Ergebnisse fließen aber nicht in die Bewertung ein.

Was ist Wortschatz?
Wörter sind sprachliche Einheiten, die aus lautlichen, inhaltlichen und grammatischen Komponenten zusammengesetzt sind. Diese Informationen werden im Gehirn - dem mentalen Lexikon - gespeichert. Dort werden sie im Laufe der Entwicklung immer wieder überarbeitet und umstrukturiert. Wörter zu erwerben bedeutet Wissen aufzubauen, wie man Wörter ausspricht, welche Bedeutung(en) sie haben, wie sie mit anderen Wörtern zusammenhängen (können), wie sie in verschiedenen Sätzen gebeugt werden oder welche Stellung sie in verschiedenen Sätzen einnehmen können.

Mentales Lexikon bezeichnet den organisierten und aktiven Speicher, in dem die sprachlichen Einheiten mit ihren komplexen Beziehungen zueinander im Gehirn gespeichert werden.

Wortschatz bezieht sich auf den Umfang und die Zusammenstellung der sprachlichen Einheiten, die im mentalen Lexikon gespeichert sind. Unterschieden wird zwischen dem rezeptiven oder passiven Wortschatz, also den Wörtern, die ein Kind verstehen kann; und dem expressiven oder aktiven Wortschatz, also den Wörtern, die ein Kind produzieren kann.


Was ist Morphosyntax?
Grammatik: Prinzipien und Regelwerk des Baus einer Sprache. Im Zentrum moderner Grammatikbeschreibungen stehen meist die Teilbereiche Morphologie (Formenlehre) und Syntax (Satzlehre).

Morphologie: Teilbereich der Grammatik, der sich mit der inneren Struktur von Wörtern befasst.

Syntax: System von Regeln, die beschreiben, wie aus Grundelementen (Wörtern, Satzgliedern) Sätze gebildet werden können.
 
Morphosyntax: Teilbereich der Grammatik, der die Interaktion zwischen Morphologie und Syntax umfasst.
 
Satz: Ausdruckseinheit, die ein gebeugtes Verb und notwendige Satzglieder enthält. Darüber hinaus können auch weitere Satzglieder enthalten sein. Sätze können miteinander verbunden werden (Hauptsatz + Hauptsatz) oder Teil anderer Sätze sein (Hauptsatz mit Nebensatz).

Was ist Phonembewusstheit?
Phoneme sind die kleinsten Einheiten unseres Lautsystems mit potentiell bedeutungsunterscheidender Funktion.
Analyse bezeichnet den Zerlegungsprozess von einem Satz in seine Einzelwörter oder das Zerlegen eines Wortes in seine einzelnen Laute usw.
Mit Synthese ist der Umkehrprozess der Analyse gemeint. Hierbei werden einzelne Wörter zu einem Satz verbunden oder einzelne Laute in ein Wort überführt usw.

Phonembewusstheit meint die Fähigkeit, sprachliche Einheiten auf dem Laut-, Silben- und Wortniveau wahrzunehmen, zu analysieren und zu synthetisieren.
Das äußert sich z. B. in Form von: Aufmerksamkeit für Einzellaute und Lautfolgen, Erkennen von Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen einzelnen Lauten sowie Manipulationen mit Lauten, Silben und Wörtern (Analyse und Synthese).
Phonembewusstheit richtet sich auf die Form und nicht auf die Inhalte von Wörtern.
Sie lässt sich in drei - einander wechselseitig beeinflussende - Bereiche unterteilen:
- phonologische Sensitivität (Phonembewusstheit im weiteren Sinn),
- phonologisches Benennen (Phonembewusstheit im engeren Sinn),
- phonologisches Gedächtnis (Voraussetzung der Phonembewusstheit).


Was ist Erzählen?
Erzählen ist eine Diskursform. Sie dient kommunikativen Zwecken und ist meist interaktiv in Gespräche eingebettet.
Die Teilnehmer eines Gesprächs wechseln sich in der Sprecher- und Zuhörerrolle ab. Beim Erzählen jedoch haben der Erzähler die primäre Sprecherrolle und der Zuhörer die primäre Zuhörerrolle.
Erzählungen bilden eine übersatzmäßige Gesprächseinheit.
Sie sind auf der Grundlage bestimmter Erzählstrukturen bzw. Erzählschemata organisiert. Das Niveau von Erzählungen hängt vom Grad der Organisiertheit ab. Dieser kann anhand von Kohäsions- und Kohärenzmerkmalen bestimmt werden. Kohäsion liegt vor, wenn die verschiedenen Teile der Geschichte semantisch-syntaktisch zusammenhängen (durch Sprachmittel miteinander verknüpft sind). Kohärenz ist gegeben, wenn die verschiedenen Teile einer Geschichte inhaltlichlogisch verbunden sind (die zu erschließende konzeptuelle Basis - der „rote Faden“ des Textes).
Erzählen zielt auf das „Herstellen einer gemeinsamen Welt“ zwischen Erzähler und Zuhörer ab.
Der Erzähler re-inszeniert für den Zuhörer einen bestimmten Geschehensablauf. Dabei bedient sich der Erzähler bestimmter sprachlicher Mittel, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu binden (Dramatisierung) und seine persönliche Einstellung zum Ereignisverlauf deutlich zu machen (Evaluierung).


Was ist die Zielsetzung der Sprachstandsfeststellung?
Mit der Sprachstandsfeststellung sollen frühzeitig bestehende Defizite bei der Sprachkompetenz festgestellt werden.
An Hand der Testergebnisse ist den Fachkräften der Tageseinrichtung ersichtlich, in welchen Bereichen das zu fördernde Kind Sprachförderbedarf aufweist.


Warum setzt die Sprachstandsfeststellung und die Sprachförderung erst mit 4 Jahren an?
Vierjährige haben eine wesentliche Plateauphase der Sprachentwicklung erreicht, auf der sich die bestehenden Sprachkompetenzen zwar noch weiter ausprägen, aber nicht mehr grob verändern, sondern nur noch fein ausdifferenzieren. In der Regel haben die Kinder die wesentlichen „Meilensteine“ der Sprachentwicklung vollzogen. Deshalb ist es möglich, gezielt zu prüfen, ob und wieweit ein Kind bereits die grundlegenden Schritte der Sprachentwicklung vollzogen hat.
Sprachstandsfeststellung - Das Verfahren


Wie wurde Delfin 4 wissenschaftlich abgesichert?
Das Verfahren wurde von Wissenschaftlern der TU Dortmund unter Leitung von Frau Prof. Lilian Fried erarbeitet. Bei der Entwicklung wurden die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt.
Die Entwicklung von Delfin 4 ist strikt an Standards orientiert. Es basiert auf einem sorgfältig aus der Sprachentwicklungsforschung abgeleiteten Kompetenzmodell, das in eine Kompetenz-Aufgaben-Matrix überführt und anschließend zu konkreten Testaufgaben heruntergebrochen wurde.
Die Entwicklung des Screenings wurde an international gültigen messtheoretischen Standards ausgerichtet. Mit speziellen Konstruktionstechniken sowie empirischen Prüfmethoden wurde und wird die Objektivität, Zuverlässigkeit und Gültigkeit des Verfahrens gewährleistet.

An welche Zielgruppe richtet sich Delfin4?
Delfin 4 ist direkt abgestellt auf die Entwicklung Vierjähriger sowie auf Kinder mit Barrieren (Sprachentwicklungsrisiko, sozio-ökonomisch Benachteiligte, Kinder mit Migrationshintergrund) und es enthält prognostisch relevante Aspekte. Das Screening orientiert sich an Kindern mit deutscher Muttersprache, kann aber für alle Kinder angewendet werden. Hintergrund dafür ist die Möglichkeit einer Überprüfung der Deutschkenntnisse (Unterrichtssprache).


Was soll mit Delfin 4 überprüft werden?
Das Screening liefert Angaben zum Sprachkompetenzprofil des Kindes in bildungsrelevanten Bereichen (Wortschatz; Morphosyntax; Phonembewusstheit; Erzählfähigkeit).

Umsetzung der Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen

Was ist Sprachförderung?
Sprachförderung bezeichnet die positive Beeinflussung der Sprachentwicklung von Kindern. Sie basiert darauf, dass Situationen genutzt oder inszeniert werden, die von den Umweltfaktoren bestimmt sind, welche die Sprachentwicklung nachweislich prägen. Allgemeine Sprachförderung zielt auf die gesamte Sprachentwicklung. Von Spezieller Sprachförderung spricht man, wenn bei einer Maßnahme nur bestimmte Sprachentwicklungsaspekte (wie Artikulation, Wortschatz, Erzählen usw.) reflektiert werden. Zusätzliche pädagogische Sprachförderung meint, dass die im Rahmen der Bildungsangebote erfolgende Sprachförderung durch professionelle Maßnahmen ergänzt wird, welche auf spezifische Sprachentwicklungsprobleme hin verdichtet bzw. optimiert sind und so zusätzliche Entwicklungsstimulationen bieten. Sowohl die Anregungen für die allgemeine bzw. spezifische als auch für die zusätzliche pädagogische Sprachförderung entsprechen fachlichen Erkenntnissen aus der Spracherwerbs-, Lehr-Lern- sowie Expertiseforschung und zeichnen sich dadurch aus, dass auf professionelle Tools zurückgegriffen wird. Unter dem Begriff Tools werden sprachdiagnostische Hilfsmittel wie Tests und systematisch angelegte Sprachförderanregungen zusammengefasst. Für die Umsetzung des fachlichen und toolbezogenen Wissens müssen pädagogische Fachkräfte über eine ausreichende Sprachförderkompetenz verfügen, d. h. sie müssen professionelle Haltungen entwickeln, über professionelle Problemlösestrategien und Förderstrategien verfügen, um neues Wissen möglichst direkt in praktisches Tun übersetzen zu können.
Was ist die Zielsetzung der Sprachförderung?
Die Sprachförderung ist wesentlicher Bestandteil des Bildungsprogramms der Landes und insoweit für alle Altersgruppen in Kindertageseinrichtungen kontinuierlich während der Betreuungszeit umzusetzen. Die zusätzliche pädagogische Sprachförderung soll diese ergänzen, damit Defizite der Sprachkompetenz möglichst ausgeglichen, aber  zu mindest minimiert werden.


Welches langfristige Gesamtziel wird mit der Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung verfolgt?
Die geplante Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung soll dazu führen, dass weniger Kinder Probleme bei der Entwicklung ihrer Sprachkompetenz aufweisen. Die Chancen der Kinder in Bezug auf ihre schulische und berufliche Entwicklung sollen sich verbessern.


Wer führt die Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung durch?
Die gemäß Kinderförderungsgesetz bestehenden Kindertageseinrichtungen  führen die Sprachstandsfeststellung und nach Feststellung eines entsprechenden Bedarfs die Sprachförderung durch. Die Sprachstandsfeststellung und die ggf. anschließende Sprachförderung für Kinder, die in einer Kindertageseinrichtung betreut werden, erfolgt in der Regel in der betreuenden Kindertageseinrichtung,  von der  betreuenden pädagogischen Fachkraft. Hauskinder werden in der Regel durch den Schulträger einer Kindertageseinrichtung zugeordnet.


Gibt es ein spezielles Fördermaterial?
Im Rahmen von Delfin 4 wurden am Ergebnis orientierte Förderungsempfehlungen (Ringordner und DVD) zur Gestaltung individueller Sprachfördermaßnahmen erarbeitet. Diese Empfehlungen werden allen Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Sie können in das allgemeine Angebot der Kindertageseinrichtung integriert werden.


Wie sind die Sprachfördertorientierungen aufgebaut?
Die Wirkung von Sprachförderung setzt vor allem dann ein, wenn es gelingt, die Maßnahmen
einerseits flexibel in den Alltag der Kindertageseinrichtung einzupassen, und andererseits genau auf die prognostisch relevantesten Sprachentwicklungsprobleme der Kinder auszurichten. Dementsprechend wurde kein starres Trainingsprogramm entwickelt, sondern eine flexibel anzuwendende Handreichung zur Sprachförderung vorgelegt.
Diese steckt einen klaren fachlichen Rahmen ab, z. B. indem genau angegeben wird, welche
Ziele bei etwa Vierjährigen in der Sprachförderung verfolgt werden sollten. Sie zurrt aber nicht fest, wie innerhalb dieses Rahmens vor Ort konkret verfahren werden soll. Vielmehr beschränkt sie sich darauf, anhand von Beispielen zu verdeutlichen, welche Möglichkeiten der Sprachförderung für das Erreichen welcher Ziele jeweils am geeignetsten sind bzw. sich am ehesten bewährt haben. Somit bleibt die Initiative bei den einzelnen pädagogischen Fachkräften und Teams der Kindertageseinrichtungen.

Die Wirkung von Sprachförderung hängt mit der Erfahrung und der Qualifikation der Sprachförderpersonen zusammen. Sprachförderung muss und kann also „gelernt“, ja regelrecht „geübt“ werden. Das kann nicht nur durch Fort- und Weiterbildung, sondern auch mit dem in der Handreichung vorgesehenen Zusatzbaustein „Selbst- und Teamqualifizierung“ unterstützt werden.
 

Die Wirkung von Sprachförderung ist mit gelingender Elternarbeit potentiell größer. Eltern brauchen nicht selten Informationen und Anregungen, um die Sprachentwicklung ihres Kindes angemessen einschätzen und fördern zu können. Elternarbeit im Rahmen von Sprachförderung sollte deshalb immer auch Aspekte von Elternbildung und Elternberatung einschließen. Auf welchen Wegen man das angehen kann, wird im Zusatzbaustein „Elternarbeit“ der Handreichung thematisiert.

Die Handreichung zur Sprachförderung stellt kein Rezeptbuch dar, dem einzelne pädagogische Fachkräfte oder Teams von Kindertageseinrichtungen einfach entnehmen können, was genau sie tagtäglich tun sollen. Vielmehr wurde ein Ansatz entwickelt, den diese nutzen können, um die eigene Sprachförderkompetenz selbstbestimmt auszubauen. Damit das für jeden möglich ist, werden reichhaltige, durchaus anspruchsvolle Informationen und Materialen angeboten, die in die Lage versetzen, passgenaue Maßnahmen zu planen und reflektieren.


Sind die Sprachförderorientierungen auf das Screening abgestimmt?
Das Material zur Sprachförderung ist auf das Screening abgestimmt. Es enthält Hinweise, wie ausgehend von den Testergebnissen ein auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes abgestimmtes Förderkonzept aussehen sollte, vermittelt Fachinformationen, gibt Planungs- und Reflexionshinweise sowie konkrete (prototypische) Spiel- und Übungsanregungen. Das Material wird durch Hinweise zur gezielten Elternarbeit ergänzt.


Wie sollen die pädagogischen Fachkräfte auf das Screening und die Sprachförderung vorbereitet werden?
Frau Prof. Fried und ihre Mitarbeiterinnen werden im März 2009 an 3 Standorten (Magdeburg, Halle, Wernigerode) insgesamt 90 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in 2-tägigen Kursen fortbilden. Diese fortgebildeten Fachkräfte sollen dann von Mai bis Juli 2009 jeweils 15 Fachkräfte aus 15 Kindertageseinrichtungen fortbilden. Im August werden dann die ca. 1.400 bereits fortgebildeten Fachkräfte der ca. 1.400 Kindertageseinrichtungen die Fachkräfte in ihren Teams qualifizieren.


Werden die pädagogischen Fachkräfte aufgrund der zusätzlichen Sprachförderung die Sprachförderung im Alltag der Kindertageseinrichtung vernachlässigen?
Nein, denn sie werden aufgrund der Fortbildung, der Durchführung des Screenings und der zusätzlichen Sprachförderung in Bezug auf die Bedeutung der Sprachförderung weiter sensibilisiert. In Auswertung der Ergebnisse der von ihnen durchgeführten Screenings werden sie konkrete Schlüsse für ihre weitere tägliche Arbeit ziehen können.


Welche Leistungen können vorher in der Kindertageseinrichtung erbracht werden?
Die Sprachförderung ist ein Schwerpunkt der Bildungsarbeit in unseren Kindertages-einrichtungen. Das Bildungsprogramm „Bildung: elementar – Bildung von Anfang an“ enthält als einen der sechs Bildungsbereiche den Bereich „Kommunikation, Sprache(n) und Schriftkultur“.  Sprachliche Bildungsprozesse nicht nur zu ermöglichen, sondern herauszufordern, ist die fachliche Herausforderung in diesem Bildungsbereich. Dies ist eine permanente Aufgabe für Erzieherinnen und Erzieher, die sich durch den gesamten Alltag zieht.


Sprachförderung nicht gleich Sprachförderung


Sollen mit dem Screening auch klinische Auffälligkeiten diagnostiziert werden?
Mit den Screenings von Delfin 4 kann man nicht bestimmen, bei welchem Kind eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt. Das hat folgenden Hintergrund: Wenn die Sprachentwicklung eines Kindes nicht altersgerecht verläuft, kann das Ausdruck einer zeitlichen Entwicklungsverzögerung sein, die häufig auf ungünstige Umweltbedingungen zurückzuführen ist; es kann aber auch Indiz einer strukturellen Entwicklungsabweichung sein, die oft durch Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen verursacht ist. Im ersten Fall spricht man meist von Sprachentwicklungsverzögerung, im zweiten von Sprachentwicklungsstörung. Ob bei einem Kind die Ursache für nicht altersgerecht entwickelte Fähigkeiten in Deutsch in einer Sprachentwicklungsstörung begründet liegt, lässt sich nur durch Fachexperten und mit spezifischer Sprachdiagnostik feststellen. Erzieher können aber dazu beitragen, Kinder mit (drohenden) Sprachentwicklungsstörungen möglichst frühzeitig zu entdecken und der erforderlichen Behandlung zuzuführen, indem sie darauf achten, welche Kinder nicht auf die Sprachförderangebote reagieren bzw. die Angebote nicht verwerten können, sich also nicht weiterentwickeln. In solchen Fällen sollte mit den Eltern gesprochen und dabei darauf hingewiesen werden, dass es gut wäre, mit dem Kind zusammen einen Fachspezialisten aufzusuchen.

Bei einem Kind, das eine Sprachentwicklungsstörung aufweist, sind Maßnahmen zur Sprachförderung nicht ausreichend. Vielmehr bedarf es spezifischer Sprachheilbehandlung bzw. -therapie. Begleitende Sprachfördermaßnahmen in der Kindertageseinrichtung können dabei unterstützend wirken, aber nicht die Sprachheilbehandlung bzw. -therapie ersetzen.


Soll die zusätzliche Sprachförderung Logopäden oder Heilpädagogen ersetzen?
Das Screening verfolgt nicht das Ziel, die Notwendigkeit einer sprachtherapeutischen bzw. logopädischen Behandlung zu erkennen.
Die zusätzliche pädagogische Sprachförderung ist keine Therapie. Sprachfördermaßnahmen ersetzen keine Maßnahmen, die aus medizinischen, logopädischen und anderen sprachtherapeutischen Gründen erforderlich sind.

Quelle:

www.sachsen-anhalt.de/LPSA/fileadmin/Elementbibliothek/Master.../2009-02-13_Fragen_und_Antworten_zu_Sprachstand.doc

 

 
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