| Können wir wollen, dass Kinder sich mit philosophischen Themen beschäftigen und auseinander setzen? |
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| Montag, 23. August 2010 um 08:56 Uhr |
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Die Antwort auf diese Frage kann nur Ja heißen. Philosophieren heißt Dingen nachzugehen, zu durchdenken und über Sinnhaftigkeit zu grübeln. Philosophieren heißt vor allem selbstständig denken. Kinderphilosophie hat die Aufgabe, Kinder zum nachdenken zu motivieren und Wege zu einer möglichen Antwort zu entdecken. Philosophieren birgt nämlich eine weitere Fähigkeit in sich: Ein Problem entdecken, ihm einen Namen und einen Rahmen zu geben und zu versuchen Lösungen zu finden. Kinder beschäftigen sich mit philosophischen Grundproblemen. Allein in der Frage „Warum muss man die Wahrheit sagen?“ steckt eine der 4 Grundfragen der Philosophie, die Emanuel Kant formulierte: Was soll ich tun? Diese Fähigkeiten des Selbstdenkens und des gekonnten Umgangs mit Problemen brauchen junge Menschen heute in dieser Gesellschaft mehr denn je. Das Philosophieren fördert diese Fähigkeiten und kann dabei helfen, Kinder auf die Aufgaben und die Ungewissheit, die sie erwarten, vorzubereiten und ihnen den Umgang mit ihnen zu erleichtern. Menschen, die philosophieren, wurden schon immer für besserwisserisch und für Störenfriede gehalten, wie die Geschichte zeigt. Doch warum ist das so? In der Antike gab es einen Mann, der einen Großteil des Tages auf dem Marktplatz verbrachte und Leute ansprach. Er stellte ihnen Fragen. Doch die Fragen, die er ihnen stellte, machte sie oft wütend, weil sie keine Antwort geben konnten. Wenn sie eine gaben, dann zeigte ihnen der Mann schnell, dass sie unzureichend oder naiv war. Der Fragensteller brachte die Menschen dazu, an den Dingen zu zweifeln, an die sie gewohnt und die ihnen geläufig waren. Dass ein solcher Mann kein besonders beliebter Mensch sein kann, ist selbstverständlich. Ein so unangenehmer Zeitgenosse macht sich keine Freunde, weil er die herrschende Weltanschauung in Frage stellt. Das beweist auch das Urteil, dass ihn ereilte, als er wegen Gotteslästerung und Verderben der Jugend angeklagt und für schuldig befunden wurde. Er wurde zum Tod durch den Schierlingsbecher (Gift) verurteilt. Der Mann, um den es hier geht, heißt Sokrates und war der erste bekannte Philosoph der abendländischen Philosophie. Ihn ereilte das Schicksal, das auch viele andere Menschen nach ihm teilten, weil sie unangenehme Fragen stellten. Auch Kinder stellen Fragen. Sie sind oft deshalb unangenehm, weil wir als Erwachsene nicht immer eine passende oder zufriedenstellende Antwort geben können. Und wenn wir eine finden und verwirrten Kinderaugen begegnen, dann müssen wir uns fragen, ob wir den Kern der Sache getroffen haben. Fragen können uns verunsichern, weil sie etwas berühren, das wir als selbstverständlich hingenommen haben und nun aufgrund dieser Frage bezweifeln. Sie können etwas berühren, was uns selbst einmal eine lästige Frage war und (vielleicht ungelöst) zu den Akten gelegt wurde. Kindliche Fragen können uns aber auch ins Staunen versetzen, weil wir Kinder für naiv halten und nun feststellen müssen, dass Kinder über ausgewachsenen philosophischen Fragen brüten können. |


