| Gedankenwelt |
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| Montag, 23. August 2010 um 08:51 Uhr |
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Das, was wir jeden Tag erleben und wahrnehmen, ist für uns die Wirklichkeit. Wir haben uns unsere Umgebung und die Welt eingerichtet und uns so einen Lebensraum erschaffen, in dem wir leben können. Gewohnheiten, Routinen und Regeln geben uns Sicherheit im Umgang mit Anderen und im Alltag. Doch was passiert, wenn diese Sicherheit ins Wanken gerät, weil etwas auftaucht, das nicht mehr in unser Muster passt? Das ist eine Frage, die die Menschen seit der Antike beschäftigt. Platon versuchte diesen Gedanken in ein Bild zu fassen und schrieb sein berühmtes Höhlengleichnis, in dem die Menschen in einer Höhle an einer Wand festgekettet sind und nur Schatten an der gegenüberliegenden Wand beobachten können. Diese Menschen haben ihr ganzes Leben so verbracht und kennen es nicht anders. Das ist alles, was sie je gesehen und erlebt haben und so halten sie das für die Realität. Aber auf einmal gibt es einen Menschen, der ins Zweifeln kommt und beginnt Fragen zu stellen. Eines Tages schafft er es, sich von seinen Ketten zu befreien und aus der Höhle zu flüchten. Was ihn hier erwartet, versetzt ihn in maßloses Erstaunen: Draußen vor der Höhle bewegen sich Wesen, die von der Sonne beschienen die Schatten an der inneren Höhlenwand bilden. Von der Wahrheit erleuchtet geht der Mensch zurück zu den in der Höhle Zurückgebliebenen und will ihnen davon berichten, doch sie lachen nur über ihn und glauben ihm nicht. Sie halten ihn für verrückt und für einen Störenfried, als er ihnen erzählen will, dass das, was sie sehen und ihr ganzes Leben lang kannten, nur Abbilder der Wirklichkeit sind. Ein ähnliches Gleichnis bietet uns der Film „Matrix“, in dem die Hauptfigur Neo auf Ungereimtheiten in seiner Umgebung stößt und schließlich herausfindet, dass seine Welt und alles, was er kannte nur eine Art Traum ist und die Wirklichkeit ganz anders aussieht. Solche Gedanken haben sicher jeden von uns schon einmal beschäftigt – Sind wir wirklich oder sind wir nur ein Traum oder eine Idee von jemandem? Dieser Gedanke wird von Jostein Gaarder in seinem Erfolgsroman Sofies Welt aufgegriffen. In diesem Buch geht es um ein junges Mädchen, das eines Tages einen Brief bekommt, in dem steht: „Wer bist du?“. Auf den ersten Blick scheint die Antwort klar vor ihr zu liegen: Sie ist Sofie Amundsen und wird bald 15 Jahre alt. Doch sie gerät ins Grübeln und ist sich bald nicht mehr so sicher, wer Sofie eigentlich ist, in welchem Verhältnis sie zu ihrer Umwelt steht und was der Mensch überhaupt ist. Angeregt von diesen Fragen stöbert Sofie mit dem Philosophen Alberto Knox in der Geschichte der Menschheit, die auch die Geschichte der Philosophie ist, nach möglichen Antworten. Doch diese fallen ganz anders aus als erwartet: Sofie und Alberto sind Ideen, die ein Vater (der Major) für seine Tochter Hilde zu ihrem 15. Geburtstag in einem Roman niederschreibt! Nun müssen sie herausfinden, was Ideen sind – und noch wichtiger: Was passiert, wenn der Roman zu Ende geschrieben ist? Unsicherheit, Existenz und Kausalität sind zentrale Themen für jeden Menschen – und für jedes Kind. Was passiert, wenn ein geliebter Mensch stirbt oder wie finde ich heraus, ob ich wirklich existiere? Was ist Freundschaft? Warum darf man nicht lügen? Solche Fragen können stundenlang beschäftigen, sie können aber auch Angst auslösen. Umso wichtiger ist es, einen Gesprächspartner zu haben, mit dem man solche Gedanken erörtern kann. Es ist schön, zu wissen, dass man mit seinen Fragen über das Wie und Warum nicht allein ist. Gespräche, die einen Einblick in die kindliche Gedankenwelt und ihre Erklärungskonzepte ermöglichen, können nicht nur für das Kind, sondern auch für uns Erwachsene erstaunliche Wirkungen haben. So können wir mit Kindern zusammen unseren Horizont erweitern und gleichzeitig versuchen, die Kinder anzuregen, sich ein eigenes positives Weltbild zu schaffen. Das ist der Punkt, an dem die Kinderphilosophie an Bedeutung gewinnt. Denn mit genau diesem Thema beschäftigt sie sich – Wie kann man mit Kindern zusammen über die Grundfragen des Lebens und der Existenz nachdenken?
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